Liebe – Süsse Versuchung mit toxischen Nebenwirkungen

I CAN'T GO ON WITHOUT YOU



Die Liebe, oh ja die Liebe, sie hat eine Hommage verdient, denn sie ist einzigartig und das wahrhaftig komplexeste Gefühl aller Gefühle. Die Liebe ist DAS grosse Thema in der Literatur, im Theater, im Film, in der Musik, im Tanz, in jeder Kunst und in unserem ganzen Leben. Ohne Liebe würden wir gar nicht existieren und ohne Liebe können wir nicht existieren. (Keine Ahnung wie das die Nonnen und Mönche machen, aber wie gesagt, es gibt ja verschiedene Formen der Liebe und bei manchen Formen sind wir froh, wenn wir nicht zu viel darüber wissen.) Obwohl die Liebe das absolut schönste Gefühl sein kann, so erleben wir sie meistens doch nicht wirklich befriedigend, ja, oft leiden wir unter ihr. Warum ist das so? Wieso kann das Leben nicht einfach ein reines Liebesparadies sein? Ich bin mir sicher, es würde uns allen viel besser gehen, wenn wir mehr Liebe machen würden… Ketzerisch? Naja, ich hoffe, dass mir wenigstens die Männer zustimmen! 😉 (Wobei mit «Liebe machen» meine ich wirklich auch Liebe praktizieren, was sich von simplem rumvögeln gründlich unterscheidet!) Spass beiseite, die Liebe ist ein ernstes Thema und vielleicht ist das genau der Punkt, denn oft gehen wir zu verkopft an das Thema Liebe heran, statt sie einfach in unserem Herzen zu fühlen.


Folgend eine Liebesgeschichte:

Kennst du das? Ein einziger Blick genügt und die Anziehung ist so stark, dass sie dich nicht mehr loslässt? Ein Gefühl, als durchführe ein Blitz deinen Körper? Du bist elektrisiert und kannst nicht mehr klar denken! Einen Moment zögerst du noch. Sollst du dich hingeben oder widerstehen? Genau in diesem Moment nimmst du diesen betörenden Geruch wahr, den das Objekt deiner Begierde verströmt. Dein Herz pumpt schneller, du schliesst die Augen und atmest tief ein! Eigentlich ist es bereits um dich geschehen, aber du zögerst es noch etwas hinaus. Du willst diesen magischen Augenblick richtig auskosten odervielleicht beginnst du jetzt, genau in diesem Moment, mit diesem typischen Katz-und-Maus-Liebesspiel. Was du vor dir siehst, was du in der Luft riechst, es ist so liebreizend, du willst es haben, ganz allein dir soll es gehören. Doch gleichzeitig fragst du dich, bin ich es denn wert? Will das Gegenüber mich auch? Oder noch besser, wie sehr will es mich? Bedeute ich ihm genauso viel, wie es mir bedeutet? Es überkommt dich eine Angst, dich im anderen zu verlieren, die Kontrolle aufzugeben und dich völlig auszuliefern, nur um dann hart auf dem Boden der Tatsache aufzuprallen, weil der andere nicht dasselbe in dir sieht. Ein kurzer Moment nur machen sich diese Ängste und Zweifel bemerkbar, aber dann ist es bereits passiert und du bist nicht mehr frei: Die Liebe in dir ist nicht mehr frei! Doch dein Blick wandert immer und immer wieder zurück, so verführerisch sieht es aus, was du vor dir siehst. Es wäre eine Schande, jetzt einfach zu gehen. Nur ein bisschen kosten, wenigstens ein bisschen, was ist schon falsch dabei? Aber kannst du das, kannst du mit angezogener Handbremse lieben? Der Verstand schaltet sich immer mehr und mehr ein, doch die Anziehung ist so stark, es entflammt ein Kampf in deiner Brust. Wem sollst du folgen, Herz oder Kopf? Lust oder Verstand? Kurzes Vergnügen oder Nachhaltigkeit? Kann etwas, was schnell entfacht, von langer Dauer sein? Ohne es genauer zu bemerken, näherst du dich ihm, fasziniert von seiner Attraktivität spielen deine Sinne verrückt. A simple touch und wow, so knackig und doch so zart, es fühlt sich gut an. Kann etwas, was sich so gut anfühlt, schaden? Nein, nein, das kann nicht sein, ohh damn, das riecht so gut, ich will dich, ich will dich auf meiner Zunge spüren, schmecken, wie süss du bist, mmmmhhhh…

… und schwupps ist die Schokopraline in deinem Mund. Kommt dir das bekannt vor? 😉


Oh ja, das ist wahre Liebe, Liebe für die Seele und alle Sinne, SCHOKOLADE! Die Kakaofrucht ist die göttlichste Frucht ever, wer will da schon einen Apfel?! Die Schlange hätte bei mir absolut keine Chance gehabt. Wir würden noch heute im Paradies sitzen und täglich Schokolade geniessen! 😉 Aber interessant, dass hier auf Erden eher der Kakao beziehungsweise die Schokolade als verbotenes Lebensmittel gilt. Das macht sie vielleicht zusätzlich so unverschämt attraktiv für uns. Worauf ich hinaus möchte? Ich sehe da Parallelen zur partnerschaftlichen Liebe. Oft fühlen wir uns von dem angezogen, was uns eigentlich nicht gut tut. Immer wieder verfallen wir in dieselben Muster und ziehen Partner an, die ein ähnliches Verhaltensmuster aufweisen. Jede Frucht hätte Eva haben können, aber sie wollte unbedingt den verbotenen Apfel kosten. Von der süssen Schokolade naschen wir gerne und oft auch zu viel. Alkohol verleitet, Tabak macht süchtig. In Völlerei und Wollust können wir uns verlieren, aber warum sind wir niemals überschwänglich hilfsbereit, wohlwollend, demütig und bereit zu dienen? Das für uns als «gut» Erkennbare halten wir eher zurück, wir geizen damit und oft kommt es sogar vor, dass wir es verachten. Das, was uns reizt, ist oft das, was uns schlussendlich schadet. Dennoch lassen wir uns verführen, uns blenden und reden uns sogar ein, dass es kein Fehler sein kann. Ist es im Grunde auch nicht, denn jeder Fehler ist in Wahrheit ein Helfer, ein Wegweiser, um auf den richtigen Weg zu kommen. Nur, wenn wir den Fehler immer und immer wieder begehen, hat der vermeintliche Helfer versagt. Wir bleiben unverbesserlich. Was uns einst verführt hat wird zur Qual und schliesslich zum Fluch. Wir kommen nicht mehr davon los. Wir können nicht mehr ohne, aber mit geht es uns auch nicht gut. So ist es mit jeder Droge, mit jeder Abhängigkeit und so ist es auch mit der Liebe. Denn bei der partnerschaftlichen Liebe, so wie der gewöhnliche Mensch sie kennt und praktiziert, begeben wir uns unweigerlich in eine Abhängigkeit. Dieses unbeschreibliche Gefühl des Verliebtseins, des Begehrens und der Leidenschaft, was alles ein Teil der Liebe ist, fühlt sich an, wie der schönste Rausch einer Droge. Es ist dieses Katz-und-Maus-Spiel, welches Matthias Reim in seinem Song so schön beschrieben hat. Die Zeile, an die ich mich erinnere, lautet «Verdammt ich will dich, ich will dich nicht, ich will dich nicht verlieren!» Diese Zeile sagt eigentlich alles aus und zeigt die beiden Aspekte der Liebe so wunderschön auf. Auf der einen Seite existiert diese immense Anziehungskraft, auf der anderen Seite besteht diese grosse Ablehnung. Beides mündet in der Erkenntnis, dass es man das Geliebte nicht verlieren will, auch wenn man es nicht haben kann.

Die Liebe trägt immer diesen Aspekt in sich. Ein klassisches Beispiel hierfür sind Opfer und Täter in jeglicher Hinsicht. Zwischen Opfer und Täter besteht eine immense Liebe. Gerne gehe ich auf dieses Thema in einem gesonderten Beitrag noch genauer ein. Wichtig ist mir in diesem Beitrag, dass wir erkennen, dass die Liebe nicht nur den Aspekt der Hollywood-Romanze verkörpert, sondern eben auch die grösstmögliche Abneigung. Genau das ist es auch, was die Liebe so dermassen anspruchsvoll macht. In unseren Köpfen herrscht die Vorstellung davon, dass Liebe nur schön, gut und eine reine Ekstase der Freude ist, doch das ist Selbstbetrug. Wir müssen uns das so vorstellen: Von allen Gefühlen ist die Liebe die Königsklasse. Sie steht also ganz oben an der Spitze. Um dorthin zu gelangen und die Liebe auch wirklich in ihrer erlösten Form (ja, die gibt es) erleben zu können, bedarf es einer Meisterschaft. Aus der Liebe kommen wir und in die Liebe kehren wir schlussendlich zurück. Die reine Liebe ist das, was wir eigentlich sind, aber hier auf Erden müssen wir dieses Geschenk erst wieder schätzen lernen. Es ist nicht einfach selbstverständlich. Wir befinden uns hier nicht im Paradies beziehungsweise in der allumfassenden Liebe. Hier auf Erden leben wir in der Dualität um Erfahrungen sammeln zu können, denn «wir» haben von der Frucht des Baumes der Erkenntnis gekostet und deshalb sind wir hier, um Erkenntnisse zu sammeln. Die reine Liebe ist unsere Heimat und danach lechzt unser Herz, aber sie wird uns nicht einfach so geschenkt, nein, wir müssen erst schmerzliche Erfahrungen sammeln. Paradox gesagt erfahren wir die reine Liebe erst durch die schmerzliche Trennung des Diesseits, durch den Tod. Wer das versteht, begreift, dass der Tod nichts Schlimmes ist, im Gegenteil, er ist eigentlich die Erlösung, die Rückkehr in unsere Heimat, zur Quelle. Ich weiss, es ist nicht so einfach zu verstehen, was ich hier gerade tippe, aber sei gewiss, du wirst diese Zeilen verstehen, wenn du bereit dafür bist.


Wenn du dieses Muster kennst, diese erhebliche Diskrepanz zwischen starker Anziehung und grösster Ablehnung, dann kann ich deinen Schmerz absolut verstehen. Das ist in der Tat eine sehr herausfordernde Begebenheit. Nun, die erfreuliche Botschaft ist, es existiert kein Problem ohne Lösung. 😉 Auch wenn es sich um das Thema Liebe und ein Gegenüber, ein DU, handelt, müssen wir immer bei uns anfangen, beim ICH. Es ist übrigens auch die einzige Möglichkeit, denn wenn wir beim DU anfangen, stellen wir ziemlich schnell fest, dass unsere Optimierungsbemühungen nicht fruchten. Müssen sie auch nicht, denn jeder kann nur für sich schauen und an sich etwas verändern. Doch eine Veränderung an sich selbst hat immer auch eine Auswirkung auf das Umfeld und somit auch auf das DU zur Folge. Hm, das war wahrscheinlich nicht das, was du hören wolltest, denn es ist leider nicht ganz mühelos, an sich zu arbeiten. Und überhaupt, der andere macht doch all die vielen Fehler und benimmt sich völlig daneben, warum soll also ICH etwas ändern?! Again: Weil du nur etwas an DIR ändern, jedoch niemals, oder zumindest nur mit wenig Erfolg, den ANDEREN verändern kannst. Bist du bereit dazu? Dann legen wir doch gleich los! Weil Übung den Meister macht, habe ich auch für das Thema LIEBE eine passende Übung für dich:



Der Tanz zwischen Nähe und Distanz

Partnerschaft beginnt bei DIR


Ich habe dieses klassische Katz-und-Maus-Spiel erwähnt, welches oft dann zum Vorschein kommt, wenn wir uns verlieben. Sofort sind wir nicht mehr frei. Besonders wir Frauen beginnen dann mit dem sich ewig drehenden Gedankenkarussell: «Liebt er mich? Will er mich? Gefalle ich ihm? Bin ich gut genug für ihn? Was denkt er über mich?» Dann beginnen wir mit Analysieren, wir rekapitulieren sein Verhalten und fangen an, Schlüsse daraus zu ziehen. Wir versuchen uns richtiggehend in seinen Kopf hineinzudenken und in sein Herz hineinzufühlen. Wo führt das schlussendlich hin? NIRGENDS, denn es gibt 1000 Möglichkeiten wieso und warum jemand etwas macht und wir wissen es nicht, solange es uns die Person nicht offen und ehrlich selbst erzählt. Und das passiert so gut wie nie. Aber wir sind ja auch ständig mit dem DU beschäftigt und gar nicht bei uns selbst. Aus diesem Grund drehe ich den Spiess um und frage:

  • Was willst du? Was willst du von ihm?

  • Liebst du ihn? Was liebst du an ihm?

  • Gefällt er dir? Was gefällt dir an ihm?

  • Ist er gut genug für dich? Teilt er deine Werte? Behandelt er dich so, dass es dir gut tut?

  • Was denkst du über ihn?

Beantworte diese Fragen ehrlich für dich selbst. Kümmere dich um dich. Sobald dir bewusst ist, was du willst, was dir gut tut und was du von deinem Partner erwartest, trittst du auch viel klarer auf und ziehst genau das in dein Leben, was du dir wünschst. Das Katz-und-Maus-Spiel ist ein Hinweis darauf, dass du unsicher bist. Dir ist weder klar, was du willst, noch was du geben kannst. Ja, wie soll denn der andere bitteschön darauf reagieren? Versuche mal, planlos einkaufen zu gehen, Essen, Kleidung, ein neues Auto, was auch immer. Du wirst schnell feststellen, das Einkaufen wird zur Qual. Schlussendlich bist du nicht zufrieden mit dem, was du dir angeschafft hast und bittest womöglich um Umtausch. Verhält sich doch beim Partner genau gleich, nicht? 😉 Das Katz-und-Maus-Spiel deutet aber auch auf Angst hin. Angst und Unsicherheit liegen ja auch sehr nahe beieinander. Ja, die Liebe benötigt eben auch Mut. Mut loszulassen, Mut sich zu offenbaren, Mut sich verletzlich zu zeigen. Bist du denn auch so mutig oder erwartest du viel eher vom anderen, dass er mutig ist und den ersten Schritt wagt? Erst wenn du dir sicher bist, dann zeigst du dein wahres Ich? Uiuiui, ganz gefährlich, denn in diesem Fall ist die Beziehung spätestens dann vorbei, wenn du dein wahres Ich endlich zur Schau stellst. Das ist, als würdest du die schönste Praline kaufen, sie riecht lecker, sieht verführerisch aus und wird auch noch wunderschön verpackt. Und dann zuhause, voller Vorfreude willst du endlich diese zauberhafte Praline kosten und was passiert? Das böse Erwachen: Schmeckt überhaupt nicht! Das ist doch nicht das, was ich gekauft habe!!! Fazit: Strahlst du Unsicherheit und Angst aus, so ziehst du auch genau das an. Einen Partner, der dich deine Unsicherheiten und deine Ängste spüren lässt. Also, überlege dir gut, was du auf deine Einkaufsliste notierst! 😉




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